One Thing Audio
Quad
ESL 57, Reviews, Stereoplay-Italy , Juni 1978
, Nr. 6
This article first appeared in Stereoplay-Italy , Juni 1978 , Nr. 6. (provided by Christian Steingruber, February 2002)
QUAD ELEKTROSTAT, Die "billigste" Box
Die ersten Quad-Elektrostaten wurden vor mehr als 20 Jahren, nämlich 1956, gebaut. Aber noch heute verwendet sie Mark Levinson (er wurde durch den von ihm entwickelten Vorverstärker, der nach wie vor als Nonplusultra gilt, berühmt) im phantastischen Beschallungssystem seiner Wohnung für die Wiedergabe des mittleren Frequenzbereichs.
Der klassische Quad-Lautsprecher ist typisch für einen herkömmlichen Elektrostaten. Er stellt ein Zwei-Wege-System mit zwei links und rechts angeordneten Schallwandlern für die Tiefen und einem dritten in der Mitte für die Höhen dar. Die Gehäuseform wird auch einigen unserer jüngeren Leser vertraut vorkommen, denn Dahlquist hat sich bei seinem Lautsprecher DQ-10 von diesem englischen Produkt mit seinem guten Ruf inspirieren lassen. Die Front ist durch ein sehr empfindliches Aluminiumgitter abgedeckt. Deshalb ist besonders beim Anbringen der drei charakteristischen Holzbeine Sorgfalt geboten. Die drei für eine breitere Abstrahlung leicht gewölbten elektrostatischen Einheiten sind durch sehr feine über einen Holzrahmen gespannte Kunststofffolien gegen Feuchtigkeit und Staub geschützt. Die Polarisationsspannung wird von einem Spannungsvervielfachter geliefert, der in ein Kunststoffgehäuse eingebaut ist und vom Netz gespeist wird. Die Schaltung arbeitet mit 8 Dioden und ist in der Lage, die benötigte Polarisationsspannung innerhalb etwa einer Minute aufzubauen. Da der Stromverbrauch dafür verschwindend gering ist, kann die Schaltung ständig am Netz angeschlossen bleiben. Um die vom Verstärker gelieferte Spannung auf den zur Ansteuerung der Systeme notwendigen Wert zu erhöhen, wird ein Übertrager verwendet.
Die Box hat deshalb einen eigenartigen Impedanzverlauf. Der Hersteller empfiehlt den Anschluss der Boxen an seine eigenen Endstufen, die sich gegenüber induktiven Lasten besonders stabil verhalten und deren begrenzte Ausgangsleistung den empfindlichen Lautsprechersystemen nicht gefährlich werden kann. Auf keinen Fall sollte die Spitzenspannung über 33 Volt liegen. Dies entspricht 136 Watt an 8 Ohm. Aber die Impedanz der Quad Box ist zwischen 40 und 200 Hertz größer als 20 Ohm. Bei unserem Test genügte im Verlaufe der Verzerrungsmessungen eine nur wenige Sekunden dauernde Überspannung (unser Verstärker kann 50 Volt an 8 Ohm liefern), um einen Elektrostaten zu zerstören.
Wären nicht die messtechnischen Ergebnisse hervorragend und die Hörvergleiche überzeugend gewesen, hätten wir gesagt, daß an diesem Lautsprecher die Gebrauchsanweisung das Beste sei. Dort wird ehrlich gesagt, daß der Abstrahlwinkel sehr eng ist (70 Grad horizontal und 15 Grad vertikal), und man gibt auch zu, daß der maximal erreichbare Schalldruck in einem Meter Abstand 98 dB beträgt und der Übertragungsbereich "nur" von 45 bis 18.000 Hertz reicht. Die Hinweise für die Aufstellung der Boxen sind beispielhaft, und es werden sogar für die Lautstärkeeinstellung bei verschiedenen Programmarten Empfehlungen gegeben. Die Quad-Elektrostaten sollten im Hörraum ausreichend weit von den Ecken und Wänden entfernt stehen, da sonst wegen der Abstrahlung auch nach hinten eine Beeinträchtigung der Tiefenwiedergabe eintreten kann.
Wegen der starken Bündelung müssen die Lautsprecher auf den Hörplatz ausgerichtet werden. Es empfiehlt sich, verschiedene Aufstellungen auszuprobieren. Abschließend verweisen wir auf die Seite mit den Messergebnissen, die in einigen Punkten angenehm überraschen. Wir können bestätigen, daß der Hörtest die Messungen in jeder Hinsicht bestätigt, sofern die Lautstärke nicht übertrieben wird. Der Preis hält sich wenigstens diesmal in Grenzen.Stereoplay-Italy, Juni 1978 , Nr. 6